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Schutz der Deutschen Sprache

Heute ging es im Landtag um den Antrag der AfD, die deutsche Sprache als Kulturgut in die Sächsische Verfassung aufzunehmen.

Der Antrag kommt zunächst seriös daher, denn in manchen Staaten ist ihre Sprache als schutzbedürftig in die Verfassung aufgenommen. In der Regel ist dies ein Schutz vor Bedrohung. Auch in Sachsen wurde die  sorbische Sprache in die Verfassung aufgenommen, weil sie vom Untergang bedroht ist. Das kann man aber für die deutsche Sprache nicht sagen.
Geldstrafe für Gendersprache?
Bei Betrachtung der Begründung des Antrags  verlässt den Leser schnell der Glaube an die Seriosität der Antragsteller, da die Begründung die pure Ideologie des Gestrigen ist: Die AfD will nicht, dass die Menschen in Deutschland so reden, wie sie reden. Sie will ihnen den vermeintlich korrekten Gebrauch der Sprache vorschreiben und ihnen verbieten, fremdsprachige Lehnwörter oder neue Wortschöpfungen zu gebrauchen. Anglizismen und Gender-Sprache sind ihnen ein Dorn im Auge. Wie sie das dann tatsächlich durchsetzen wollen, bleibt ihr Geheimnis: Sollen sprachliche Variationen künftig als Ordnungswidrigkeit oder in schweren Fällen sogar als Straftat gegen das Kulturgut verfolgt werden? Ein Knöllchen für einen Anglizismus? Geldstrafe für Gendersprache?
Sprache kann man nicht in einem Zustand festschreiben, sie lebt und ist dynamisch
Auf welches Deutsch sollte man sich denn einigen wollen, wenn man es statisch als Kulturgut in der Verfassung festschreiben wollte? Das Alt- oder Mittelhochdeutsch? Die Sprache Luthers in seiner Bibelübersetzung? Die Sprache Goethes, Schillers, die von Marie von Ebner-Eschenbach, Bettina von Arnim oder Heinrich Heine? Heine kannte viele französische Lehnwörter, die Luther unbekannt waren. Das Kaufmannsdeutsch enthielt viele italienische Worte. Von lateinischen oder griechischen Fremdworten ganz zu schweigen. Soll diese Veränderung nicht mehr möglich sein? Wer das will, definiert sich über die Vergangenheit und ist einer frischen und anspruchsvollen Rhetorik verschlossen.
Der Antrag ist zutiefst ideologisch, er ist falsch.
Die AfD will hier mal wieder eine deutschtümelnde Flagge zeigen. Und um die qualifizierte 2/3 Mehrheit für ihr angebliches Anliegen, die Verfassung zu ändern, hat sie sich nie gekümmert.